Das Innere Kind

Das “innere Kind” ist ein Begriff den heute fast jeder schon einmal gehört hat. Vor etwa 15 Jahren wäre man, wenn man diesen Begriff erwähnt hätte auf Unverständnis gestoßen, denn er ist vor allem bekannt geworden durch das Buch “Aussöhnung mit dem inneren Kind” von Erika J. Chopich und Margaret Paul.

Die Psychosynthese und das “innere Kind”

Ein anderer Grund, warum es durchaus vertraut klingt, wenn wir von “unserem inneren Kind” sprechen, das wir haben, ist der transpersonalen Psychologie zu verdanken. Sie sieht den Menschen getrennt von seiner Persönlichkeit. Zu diesem Verständnis hat im besonderen der Arzt und Psychiater Roberto Assagoli beigetragen. Er war ursprünglich ein Schüler von Freud, wurde dann einer der Väter der transpersonalen Psychologie.
Er ging davon aus, dass der Mensch in seiner Essenz eine Seele ist und eine Persönlichkeit mit vielen Teilen, auch Teilpersönlichkeiten genannt, hat. In seinem psycho-spirituellen Modell der Psycho-synthese widmet er sich viel der Aufgabe, in Distanz zu dieser Persönlichkeit und ihren Teilen zu gehen – sich davon disidentifizieren zu können. Das bedeutet, zum Beobachter unserer inneren Welt von Empfindungen, Gefühlen und Gedanken zu werden. So verwundert es nicht davon zu sprechen ein “inneres Kind” zu haben.

Wie das nichtbeachtete innere Kind in unser Leben wirkt.

Kaum jemand zweifelt daran, dass da ein Kind in uns existiert, das viele Seiten hat. Da sind seine positiven Seiten wie Spontanität, Begeisterungsfähigkeit, Staunen, Neugier, Lebendigkeit und auch die Fähigkeit, ganz in der Gegenwart sein zu können. Leider treten diese positiven Aspekte dieses Kindes in uns nicht mehr so häufig in Erscheinung, vor allem wenn diese Eigenschaften bereits während unserer Kindheit nicht richtig gelebt werden durften. Vertrauter sind dagegen die weniger erfreulichen Merkmale des Kindes in uns. Unser “inneres Kind” ist auch das Symbol für unsere Verwundbarkeit, unsere Angst, verletzt und zurückgewiesen zu werden. Es steht für unsere Sehnsucht nach Liebe, nach Anerkennung, nach der Bestätigung, das wir o.k. sind, so wie wir sind. Kinder, die wenig Anerkennung und Liebe erfuhren, haben dadurch als Erwachsene auch meistens ein geringes Selbstwertgefühl. Daraus resultiert ein Nachholbedarf mit dem Verlangen, diese Anerkennung und Liebe jetzt als Erwachsener von anderen in Beziehungen und Partnerschaften zu bekommen, was zu Beziehungs-problemen führen kann. Wer aber ist als Kind nicht häufig verletzt worden, durch Missachtung, Liebesentzug, negative Bewertungen bis zu Beschimpfungen? Da sind noch die Wunden solcher Verletzungen, die jemand anders nur ganz leicht durch kritische Worte zu berühren braucht, um wieder ihren Schmerz zu spüren. Da ist die Angst davor, zurückgewiesen zu werden und nicht liebenswert zu sein. Aus dieser Angst heraus tun häufig Menschen überwiegend alles das, was andere von ihnen erwarten, nur um diese Zurückweisung mit Liebesentzug zu vermeiden. Das wiederum führt dann zur Abhängigkeit vor allem von Partnern. Klammern an den Partner kann zum Ausdruck dieser Angst werden, was der schnellste Weg zum Ende einer Beziehung bedeuten kann. Dadurch wird wiederum das Bild von sich selbst, nicht liebenswert, nicht gut genug zu sein, bestätigt. Ein Teufelskreis! Wer sich mit diesem inneren Kind überwiegend identifiziert, hat es schwer, wirklich erwachsen zu werden und sich wie ein erwachsener Mensch zu verhalten.
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